“Nicht übertreiben. Regenerieren ist okay!”

Laufen – das mit mir und dem Laufen ist ja so eine Sache. Ich mach es halt. Strandläufe sind schön, Bergläufe gehen, sogar Tempoläufen kann ich was abgewinnen. Volksläufe? Straßenläufe? Na ja, das ist nicht so mein Ding. Wenn ich aber “Anna Achilles”‘ Blog lese, habe selbst ich dazu Lust. Oder sagen wir mal so: Mit einer Anna Achilles als Trainingspartner könnte Laufen echt ein richtig guter Kumpel von mir werden. Anna Achilles ist so witzig, liebenswürdig, verrückt und locker, dass ich gerne mal mit ihr ‘ne Runde um den Block rennen würde. Die Entfernung macht mir da allerdings gerade einen Strich durch die Rechnung, also hab ich sie zum Interview gebeten. Für alle, die –jetzt wo der Frühling kommt – das Lauftraining wieder oder erstmals aufnehmen wollen, ein Lesebefehl! Und ansonsten auch einfach Annas Lauferlebnisse auf dem Blog, bei Spiegel online oder auf ihrer lustigen Facebookseite verfolgen. Macht (Lauf-)Laune! Und übrigens hat sie gerade angefangen auf Süssigkeiten, Alkohol und Kaffee zu verzichten. Für sieben Wochen. Macht doch mit.

 

Anna, mit Dir und dem Laufen ist es ja auch so ein Ding. Es kommt mir vor wie eine Beziehung bei Euch beiden. In guten wie in schlechten Zeiten. Mal himmelhochjauchzend, mal kriselt es. Wie bist Du überhaupt zum Laufen gekommen? Hat es wirklich nur was mit Onkel Achim zu tun?
Anna Achilles: Ich bin schon als Jugendliche gelaufen. Allerdings nie weiter als sechs Kilometer und dafür habe ich dann auch eine dreiviertel Stunde gebraucht. Das als Laufen zu bezeichnen, wäre wohl etwas übertrieben. Damals wäre ich nie auf die Idee gekommen, an einem Wettkampf teilzunehmen. Wozu auch? Da gewinne ich ja eh nichts, habe ich gedacht. Erst durch meinen Onkel habe ich angefangen, mich mal ein bisschen zu fordern: an Wettkämpfen teilzunehmen, mir Bestzeiten vorzunehmen, richtig zu trainieren mit Intervalleinheiten und so weiter.

Welche Sportarten hast Du vor dem Laufen gemacht?
Ich habe sogar ziemlich viele verschiedene Sportarten als Kind ausprobiert. Kinderturnen, Ballett, Reiten, Skifahren, Tennis, Rock’n’Roll. Manches mache ich auch jetzt noch neben dem Laufen. Laufen allein wäre mir zu langweilig. Ich laufe sehr gern, aber ich brauche auch andere Sportarten.

War es am Anfang leicht oder musstest Du den inneren Schweinehund mit Tricks überlisten, wenn Laufen auf dem Programm stand?
Am Anfang war es relativ leicht, mich aufzuraffen. Ich hatte ja Bock drauf, laufen zu gehen. Das war was neues, das ich noch nicht kannte. Ich habe gemerkt, wie schnell mein Körper Fortschritte gemacht hat. Außerdem habe ich recht schnell Leute kennengelernt, mit denen ich mich zum Laufen verabredet habe. Das motiviert ungemein.

Was machst Du heute, wenn Dir die Motivation fehlt?
Manchmal lasse ich es einfach. Wenn ich mich dazu quälen muss, hat es keinen Sinn. Gleichzeitig stelle ich fest: Nach zwei, drei Mal laufen innerhalb kurzer Zeit, entwickelt mein Körper einen automatischen Bewegungsdrang. Laufen als Bedürfnis – das ist eigentlich die größte Motivation. Ich bemerke auch immer wieder: Je stressiger mein Leben umso mehr muss ich laufen gehen. Dann aber ganz bewusst ohne GPS-Uhr und ohne Zeitdruck. Einfach nur, um zu entspannen.

Was ist Dein bester Motivationstipp?
Freunde. Wenn ich mit einer Freundin Sonntagmorgen zum Laufen verabredet bin, kann ich nicht kurzfristig absagen. Das macht man einfach nicht. Egal, wie verkatert oder müde man ist – da muss man dann durch.

Magst Du Volksläufe wirklich? Wenn ja, was ist das Schöne daran?
Ich muss nicht jeden Monat einen Volkslauf bestreiten. Aber so zwei, drei Läufe im Jahr sind ganz nett. Man trainiert einfach ganz anders, wenn man weiß, dass man für einen Wettkampf angemeldet ist. Vergangenes Jahr war mein Ziel: 10 Kilometer unter 55 Minuten zu laufen. Via Blog und Facebook habe ich das öffentlich gemacht. Das erhöht den Trainings-Druck. Am Ende hat es geklappt.

Kannst Du Dir wirklich vorstellen, mal Marathon zu laufen?
Auf jeden Fall. Nicht dieses Jahr, aber irgendwann. Ich muss unbedingt unter vier Stunden laufen. Damit ich einmal, wenigstens einmal, über meinen Onkel Achim triumphieren kann.

Du hast ja auch verschiedene – wahrscheinlich jedem Läufer bekannte – Problemchen mit Deiner Leidenschaft. Mal machen die Knie Schwierigkeiten, mal die Hüften. Was kann man dagegen tun?
In der Theorie wissen wir ja alle: Starke Muskeln schützen die Gelenke. Bloß: Dafür muss man halt auch was tun. Meistens lasse ich das ganz schön schleifen. Erst wenn wirklich was schmerzt, fange ich an, mit Kräftigungsübungen wie Stabis, Kniebeugen, Crunches oder Liegestütze in der Anna-Variation.

Wie sieht eine typische Trainingswoche von Anna aus?
Es gibt keine typische Trainingswoche. Mir ist wichtig, dass ich mich genug bewege. Deshalb versuche ich alle Wege, die ich zurücklegen muss, mit dem Rad zu fahren. Dazu kommt dann Laufen und Tennis spielen.

Wie viele Kilometer legst Du in der Woche zurück?
Mit Laufen? Das ist ganz unterschiedlich. Wenn ich mich nicht für einen Wettkampf vorbereite, laufe ich meistens nicht so viele Kilometer. Zwischen 15 und 20 Kilometer vielleicht.

Gibt es etwas, was Du beim Training hasst?
Wenn ich zu warm angezogen bin und schon beim loslaufen schwitze. Das ist supernervig.

Tempoläufe – wie stehst Du dazu?
Sind unangenehm, aber effektiv, um schneller zu werden. Manchmal machen sie sogar Spaß.

Wo läufst Du in Berlin am liebsten?
Als ich in Berlin in Wedding gewohnt habe, fand ich es super im Rehberge-Park zu laufen. Da gibt es nämlich Fleckchen, an denen man ganz alleine ist und seine Ruhe hat. Das gibt es nicht oft in Berlin.

Welchen Tipp hast Du für Anfänger oder Wiedereinsteiger?
Nicht übertreiben. Auch wenn man immer denkt, es geht schon. Nein, es geht oft nicht. Regenerieren ist okay. Wirklich.

Du kommst ja ständig mit Laufexperten in Kontakt. Was war der beste Trainingsratschlag, den Dir mal jemand gegeben hat?
Das ist zwar kein typischer Trainingsratschlag, aber Dieter Baumann meinte mal zu mir: „Anna, du bisch a Talend.“ Auch wenn ich ihm kein Wort glaube, über diese Worte habe ich mich sehr gefreut.

(Anmerkung von Tine: Annas Interview mit Dieter Baumann gibt es hier)

 

Fotocredit: Bild 1&2 Frank Joung, Bild 3 Josephina Drust.

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