Beachvolleyball – ein Lebensgefühl

Der Frühling kommt und mit ihm beginnt endlich auch die Beachvolleyball-Saison. Anouk Vergé-Dépré zählt zu den hoffnungsvollsten Beachvolleyball-Talenten in Europa. Die 22 Jahre alte Schweizerin, deren Vater aus Guadeloupe stammt, ist eine der jüngsten Spielerinnen auf der World Tour. Sie wurde bereits U21-Weltmeisterin und belegte bei den Europameisterschaften im vergangenen Jahr Platz 5. Mit ihrer Beachvolleyball-Partnerin Isabelle Forrer bereitet Anouk sich auf ihr grosses Ziel, die Olympischen Spiele 2016 in Rio, vor. In diesem Jahr wollen die beiden Schweizerinnen bei den Europameisterschaften in Rom erneut angreifen. Im Interview erzählt Anouk von ihrem Trainingsalltag, ihrem ständigen Begleiter Sand, und warum es sich für uns alle lohnt, Beachvolleyball zu spielen.

Wie bist Du vom Volleyball zum Beachvolleyball gekommen?

Mein Dad hat die Laciga-Brüder, Simone Kuhn und Nicole Benoît und später auch Simone Kuhn und Lea Schwer (Anmerkung der Redaktion: die besten Schweizer-Beachvolleyballteams) trainiert. Ich war oft dabei und habe Bälle gesammelt als kleines Kind. Später habe ich Beachvolleyball viel im Sommer gespielt, wenn die Hallensaiosn vorbei war und bevor eine neue anfing. Irgendwann fand ich sehr grossen Spass daran und als Isa Forrer mich fragte, ob ich mit ihr die Schweizer Meisterschaften bestreiten würde, habe ich natürlich keine Sekunde gezögert. Dies war dann auch ein voller Erfolg.

Was sind die grössten Unterschiede und was glaubst Du, macht die Charakterunterschiede von Beachvolleyballern und Volleyballern aus?

Ich denke Beachvolleyball ist auch ein Lebensgefühl. Die Musik, die Spieler, das Publikum, die Sonne, der Sand und das Feeling machen Beachvolleyball zu dem, was es ist. Die Atmosphäre ist ganz anders als bei einem Indoor-Turnier. Beachvolleyballer müssen vom Charakter her bereit sein, viel mehr Verantwortung zu übernehmen für die Aktionen auf dem Feld. Man kann nicht einfach ausgetauscht werden durch eine andere Spielerin. Mental ist das eine ganz andere Aufgabe, wenn man zu zweit auf dem Feld steht. Es ist schon viel mehr wie ein Einzelsport.

Weißt Du, wie viele Kalorien Ihr bei einem Match im Sand verbraucht?

Huuui, nein keine Ahnung! Ich bin froh, dass ich keine Kalorien zählen muss. (Anmerkung der Redaktion: Eine zirka 30-jährige, 1,70m große und 68 kg schwere Frau verbraucht in einer Stunde Beachvolleyball zirka 580 Kalorien. Also, let’s burn!)

Sich im Sand zu bewegen ist verdammt anstrengend, das merke ich schon beim Joggen. Macht Ihr spezielles Training dafür, viel Beinarbeit im Sand abgesehen von den Matches?

Wir machen beschleunigte Sprints, Lauf- und Koordinationsübungen (mit Leiter) im Sand und auch sonst viel Ausdauer und Krafttraining, damit wir uns fit fühlen im Sand. Am Anfang einer Vorbereitung springen und bewegen wir uns viel schlechter als kurz vor Saisonstart.

Wie sieht ein typischer Tag von Anouk aus?

Aufstehen 7:30, Musli & Orangensaft (manchmal Kohlenhydrat-Shake), zwei Stunden Training im Sand inklusive Stabilisationsübungen, dann Mittagessen (oft Pasta mit Proteinen), dann kurzer Power Nap (20 Minuten), dann etwas Entspannen mit Musik oder zur Uni, dann später 2 Stunden Krafttraining mit Trainer, kurzer Snack (Riegel mit Früchten oder so), anschliessend Regeneration (Physio oder Black Roll & Dehnen), dann Abendessen so gegen 20 Uhr,  dann zirka eine Stunde Büro (Webseite, Sponsoren, Abrechnungen usw) und so um 23:00 ins Bett, ich brauche meine acht bis neun Stunden Schlaf.

Wie ist Dein ungefähres Trainingspensum in der Woche?

Wir trainieren 19 bis 22 Stunden pro Woche, hinzu kommt dann noch die Regenerationszeit, also Physiotherapie und so weiter.

Wie viele Tage im Jahr bist du zuhause bzw. unterwegs?

Letztes Jahr hatte ich sechs sandfreie Wochen. Im Ausland sind wir zwischen 15 und 20 Wochen. Das fängt mit den Trainingslagern an und hört mit den Turnieren, die überall auf der Welt stattfinden, auf.

Was macht für Dich den Reiz am Beachvolleyball aus?

Game Challenge, das Lebensgefühl, das eigene Limit suchen, die Welt entdecken, an sich zu arbeiten, etwas aufzubauen und dabei immer wieder sehr spannende Inputs zu kriegen von verschiedensten Leuten und Kulturen.

Was stört Dich am Beachvolleyball?

Der Sand, der dann immer überall auftaucht, dass ich die Temperaturen nicht steuern kann;) und die langen Wartezeiten bei den Reisen…

Schleppt man den Sand überall hin mit? ;-)

ÜBERALL! Duschen ist daher echt meeega die Wohltat.

Was macht Dich total froh?

Freunde treffen, interessante Gespräche führen, Familie sehen, Tanzen, ein neues Lied entdecken, gutes Essen, Sonne und mein Schatz.

Auf Deiner Internetseite steht, dass Du Süsses magst. Achtet Ihr sehr auf Eure Ernährung oder nicht so sehr? Sind Sünden erlaubt?

Ich habe das Glück, dass ich von Natur aus schnell Kalorien verbrenne und muss sicher weniger darauf achten als andere. Viele meiner Sportlerkollegen reduzieren am Abend die Kohlenhydrate etwas. Man achtet als Sportler darauf, dass man sich gesund ernährt, damit man genügend Energie hat. Ich persönlich esse viel Proteine. Wichtig ist, dass man sich wohl fühlt und seine Reserven auffüllt bei der Belastung die wir haben. Da sei dem Körper auch mal was Süsses gegönnt, einfach nicht im Übermass! Ich mag Desserts und Essen allgemein sehr. Ich bin da sicher eine kleine Feinschmeckerin :-)

Bei welcher Süssigkeit kannst Du nicht nein sagen?

Schoggigüezi (Anmerkung der Redaktion: Schweizerdeutsch für Schokoladenkekse) und  Glace (Anmerkung der Redaktion: Schweizerdeutsch für Eiscreme).

Hast Du eine Powerfood-Empfehlung, die Dich nach oder vor dem Sport stärkt?

Ich beziehe regelmässig Produkte von GS-Food. Zwischen Spielen, vor oder während Trainings verpflege ich mich mit Kohlenhydraten und trinke auch elektrolythhaltige Getränke.

Auf Deiner Internetseite steht unter den Stichworten, die Dich und Dein Leben beschreiben unter anderem auch “x-Wiederholungen”. Bezieht sich das auf das Trainingsprogramm?

Um Bewegungsabläufe zu verinnerlichen und im Spiel unter Stress, Druck und anderen Bedingungen abzurufen, muss man sie x-mal wiederholen. Wir arbeiten sehr viel an unserer Technik. Wiederholungen hat man auch im Krafttraining: Man macht die selben Übungen immer und immer wieder, um Fortschritte zu erzielen. Spitzensport ist auch grosse Fleissarbeit.

Du kommst viel rum durch Deinen Sport. Was ist Dein „Lieblings-Beach“?

Was die Turniere betrifft so liebe ich das Turnier in Gstaad. Sand in den Bergen ist eben ein ganz besonderer Kontrast. Ansonsten spiele ich sehr gerne in Klagenfurt am Wörthersee. Mein richtiger persönlicher Lieblingsstrand befindet sich aber auf meiner Heimatinsel Guadeloupe.

Mehr über Anouk erfahrt Ihr auf der Homepage www.anouk-isa.ch und dort könnt Ihr die beiden auch auf ihrer Tour zu den “schönsten Stränden” der Welt begleiten.

Fotos: Titel: Oliver Zeller, Block: FIVB, Porträt: Christoph Ris, Modeshoot: Peter Do

 

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