BOKWA erobert Europa

Heute gibt es zum ersten Mal auf diesem Blog einen Gastbeitrag. Meine Freundin Maria Krämer ist Personal Trainerin und führt das Move-Tanzstudio in dem wunderschönen Schweizer Städtchen Thun. Und da Zumba, BOKWA und all diese verschiedenen tänzerischen Fitnesskonzepte nicht gerade zu meinen Stärken zählen – ich bin einfach dafür nicht begabt – macht es viel mehr Sinn, dass Maria etwas darüber schreibt. Der erste Text von Maria befasst sich mit dem neuen Trend BOKWA. Und was das ist und für wen es sich bestens eignet, weiss Maria am besten. 

Ich oute mich: Ich bin absoluter Zumba-Fan. Zumba ist heiß, mitreißend und motivierend. Für mich ist es wie ein 60-minütiger Ausflug in den unbeschwerten Alltag Südamerikas, wo Männer noch heißblütige Machos und Frauen wunderschöne rassige Latinas sein dürfen.

Zumba soll „einfach und unkompliziert“ nachzutanzen sein. Aber sind wir mal ehrlich, das gilt nur, wenn man als Teilnehmer schon etwas Bewegungserfahrung mitbringt, im besten Fall auch etwas extrovertiert ist und auf keinen Fall Angst davor hat, in der Gruppe mal einen falschen Schritt zu tanzen und sich eventuell zu blamieren.

So viel zur Theorie, in der Praxis haben die meisten Teilnehmer zwar Spaß an der mitreißenden Latinomusik, aber dann doch wenig Tanzerfahrung, viel Scheu vor der Blamage und wer von uns Europäern ist schon extrovertiert ohne Ende? Zumindest in den ersten Lektionen stelle ich immer wieder fest, dass meine Schüler sich am liebsten ganz hinten in die Ecke verkrümeln würden, bis sie vermeintlich alle Schritte verstanden haben. Das Problem dabei ist: Wer ganz hinten im Raum steht, dem tanzen alle anderen vor der Nase herum und nehmen die Sicht auf die Instruktorin, und dies macht das Erlernen der Schritte nicht gerade leichter. Am Ende der Lektion hat dann jeder zwei Möglichkeiten: entweder wiederzukommen und sich durchzubeissen – in der Hoffnung, dass die nächste Lektion bereits leichter wird, oder es gleich aufzugeben. Ich habe als Instruktorin schon viel zu oft erlebt, dass Teilnehmerinnen sich trotz meiner motivierenden Worte leider für letzteres entscheiden.

Es ist nun schon eine Weile her, da habe ich mal wieder etwas über eine neue Fitnesssensation aus den USA gelesen. „Klar, woher sonst?!“ ist dann mein erster Gedanke. „Buchstaben auf dem Boden tanzen…“, lese ich da. Ich ergänze in Gedanken: „Und Abitur im Flöte spielen?“ Da steht „easy nachzumachen.“ („Na klaaaaar, hab ich doch schon mal gehört“) und „Wenn du buchstabieren und zählen kannst, kannst Du BOKWA!“ Natürlich! „Für alle zwischen 6-99 in der gleichen Lektion!“ Ehrlich gesagt war das die Stelle, die mich aufhorchen lies.

Für alle zwischen sechs und 99 Jahren? Gleichzeitig? Noch nie gehört. Das klingt zu schön, um wahr zu sein, denn für gewöhnlich hat jeder Instruktor mit dem unterschiedlichen Erfahrungslevel der Teilnehmer zu kämpfen und jeder Teilnehmer mit dem der anderen Teilnehmer. Entweder die anderen sind Anfänger und man selbst langweilt sich, oder man selbst ist Anfänger und alle anderen erscheinen einem selbst unverschämt gut, was zwar schön zum Zuschauen, aber für den eigenen Spaß an der Bewegung nicht gerade hilfreich ist.

Also meldete ich mich aus purer Neugier doch mal für den eintägigen Bokwa-Instruktor-Kurs an, fuhr hin und lies mich überraschen. Und? Es war tatsächlich eine riesengroße, positive, atemberaubende Überraschung! Die erste Masterclass (eine Stunde, die den Teilnehmerinnen das BOKWA-Gefühl vermitteln sollte) beeindruckte mich bereits über alle Maßen.

Der Aufbau folgt dem bekannten Muster: Warm up, Hauptteil, Cooldown.  Der Hauptteil aber ist so abwechslungsreich, einfach und gerade durch die Einfachheit auf eine besondere Art und Weise energiegeladen, dass sämtliche Teilnehmerinnen, ich eingeschlossen, sich nach 60 Minuten schweißgebadet und mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht umzogen. Die Zeit verflog unbemerkt und die Stunde kam mir vor wie ein Wimpernschlag.

Bokwa wurde von Paul Mavi erfunden. Es setzt sich aus Boxen und Kwaito, einer südafrikanischen Musikrichtung, zusammen und eroberte erst kürzlich auch die FIBO in Köln. Es wird nicht wie in klassischen Aerobic- oder Zumba-Lektionen gezählt, sondern sich einfach nach Handzeichen des Trainers bewegt. Es werden tatsächlich Buchstaben und Zahlen „vertanzt“. Buchstaben und Zahlen haben je ihre eigene kleine Schrittfolge, die beliebig oft wiederholt, aneinander gereiht und in verschiedenen Intensitäten getanzt werden können (nur die Schritte, mit oder ohne Armbewegungen, gehüpft oder gelaufen), eben wirklich je nach Teilnehmer. Der sehr angenehme Vorteil gegenüber der guten, alten Aerobicstunde ist der, dass ich mir keine ewig lange Choreographie merken muss. Das hat mich wirklich regelmäßig in den Wahnsinn getrieben, denn spätestens nach 30 Minuten wusste ich nicht mehr, wie die Choreo begann, oder ich musste so angestrengt nachdenken, dass das Nachdenken mich am „Gas-geben“ gehindert hat, was wiederrum weder für den Cardioeffekt noch für den Fun-Faktor förderlich war. Natürlich ist das Merken einer Choreographie auch beim Zumba nicht mehr relevant, denn nach drei bis vier Minuten ist auch hier das Lied zu Ende, ein neues Lied, ein neuer Style und eine neue, kurze Choreo folgen. Bei Zumba allerdings muss die Teilnehmerin schon Spaß an lateinamerikanischen Klängen und lasziven Hüft- und Schulterbewegungen haben, sonst bringt die Lektion eher Frust statt Lust am Training. Auch da bietet BOKWA eben die ideale Alternative: Die Musik ist motivierende 130-150 Schläge pro Minute schnell, besteht (je nach Instruktor-Vorliebe) aus Chartstürmern, House, Techno oder Pop. Langeweile kommt definitiv nicht auf, denn jede BOKWA-Lektion ist anders… andere Schrittkombinationen, andere Geschwindigkeit, neue Moves… und jeder Teilnehmer tanzt in seiner eigenen Intensität, aber ohne, dass es den anderen oder einem selbst unangenehm auffällt.  Die Vielfalt der Schritte scheint unendlich, Wir werden also ganz sicher noch viel von BOKWA hören!

Ich jedenfalls bekomme in jeder BOKWA-Lektion plötzlich unerklärliche Lust auszugehen. Und ja, ich muss zugeben, für mich hat Zumba ernsthafte Konkurrenz bekommen. Meine Teilnehmerinnen und ich sind jede Stunde aufs Neue überrascht wie schnell so eine BOKWA-Lektion zu Ende ist, wie viel Spaß wir dabei haben und wie viel wir dabei unbemerkt ins Schwitzen gekommen sind. Für mich steht fest:

BOKWA ist DIE Alternative für alle, denen Zumba zu lateinamerikanisch, zu verschnörkelt und zu tänzerisch ist und DIE Alternative für alle, die intensiv und mit Spaß Ausdauertraining betreiben wollen, ohne dabei groß nachdenken zu müssen. Also versucht es doch einfach mal! Eure Maria Krämer

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