Corona-Müdigkeit oder kein ganzer Sommer

Ich brauche einen Espresso. Das schreibe ich jetzt nicht nur so daher. Ich bin wirklich müde. Ich glaube, es geht vielen gerade so. Heute dürfen die Yogastudios in den meisten Bundesländern wieder öffnen. Was habe ich mich darauf gefreut! Und jetzt ist da plötzlich so eine Corona-Müdigkeit. Statt Frühjahrsmüdigkeit. Um den Frühling wurde ich ja dieses Jahr betrogen, den verbrachte ich ja in Quarantäne. Vielleicht nenne ich das deswegen jetzt Corona-Müdigkeit. Der Mensch passt sich erschreckend schnell an. Als am vergangenen Wochenende die Spielplätze öffneten, fragte ich mich, welcher Mensch über 18 tatsächlich freiwillig auf einen Spielplatz rennen würde. Ich jedenfalls nicht. Mit dem Yogastudio ist es ein bisschen anders. Ich finde es wirklich gut, dass die Studios öffnen. Aber trotzdem finde ich es auch ein bisschen seltsam, wenn ich dann da vor einer Yogaklasse stehe, sobald ich mich ein paar Meter bewege, den Mundschutz anziehen muss und statt zwischen meinen Schülern herumzulaufen, vermutlich nur eine Art Vorturnerin bin. Hands-on-Adjustments? Kannte knicken. Nackenmassage in Savasana? Wird es nicht geben. 

Vertraue deinen Fähigkeiten

Wir können als Yogalehrer natürlich trotzdem mehr als nur Vorturner sein, den Stunden mehr Qualität geben als Livestream-Yoga. Ich habe meinen Espresso nun getrunken und es geht mir schon wieder besser. Als Yogalehrer strahlst du etwas aus. Ohne es vielleicht zu merken. Da ist immer eine Energie im Raum, die auch etwas mit dir zu tun hat, wenn du unterrichtest. Diese Energie kann Großartiges bewirken. Bleibe du selbst und versuche nicht, deiner Stimme einen Klang zu geben, der nicht zu ihr gehört. Sei authentisch. Vielleicht kannst du dafür sorgen, dass deine Schüler Spannungen auf der Matte abbauen können. Und wenn du sie nicht so korrigieren kannst, wie du das gewöhnt bist oder warst – ist das erst mal egal. Schliesslich hat in den vergangenen Wochen auch niemand ständig an ihrer Körperhaltung rumgenölt. Es gab einen Grund, weshalb die Schüler vor Corona-Zeiten zu dir in den Unterricht kamen, es gibt auch einen, warum sie jetzt wiederkommen. Obwohl du sie nicht anfasst. Du allein bist einzigartig als Lehrer. Wenn du hinter dem stehst, was du unterrichtest, bist du gut in dem, was du tust. 

Neue Welt

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich am 13. März auf meiner Facebook-Seite einen Artikel von Fuckluckygohappy-Gründerin Rebecca Randak postete. Sie erklärte in dem Artikel – wie ich finde, sehr gut – wie wir nun Yoga üben können und ob wir noch in Studios gehen sollen oder nicht. Seit dem 13. März hat sich die Welt ein wenig verändert. Ich weiß noch, dass ich nur drei Tage bevor Rebecca Randak über Corona und Yoga schrieb, mit meiner Mutter am Telefon darüber gesprochen hatte, dass ich meine Yogaschüler selbstverständlich anfasste. Nun werde ich, wenn ich mich überhaupt dazu entscheide, in den nächsten Wochen zu unterrichten, mit gemischten Gefühlen ins Studio gehen. Ich meine, haben wir all das, was wir in den vergangenen Wochen und Monaten getan haben, nur gemacht, um dann einfach wieder weiter zu machen wie vorher?

Yogalehrer in der Pandemie

Ich möchte nicht, dass meine Kinder in Isolation aufwachsen. Ich möchte auch nicht, dass ich noch viel länger erklären muss, dass sie immer noch keine Freunde treffen können. Aber ich weiß auch irgendwie nicht, was überhaupt ist. Ich weiß nicht, wie lange man Dinge anders machen soll, bevor das Leben mit einem neuen Virus wieder normal weiterlaufen kann. Was ist überhaupt normal? War es vorher normal? Gibt es normal jemals wieder?Wahrscheinlich war es vorher ja auch nicht normal, nur glaubten wir das. Ich weiß nicht, ob ich Yogalehrer in der Pandemie sein will. Und dabei ist das natürlich Quatsch, schließlich sind ja auch gottlob Ärzte, Krankenschwestern, Physiotherapeuten in der Pandemie tätig. Die an allererster Front. Ich glaube nicht mal, dass ich Angst davor habe, krank zu werden. Ich bin einfach gerade in diesem Trott, der mir vorgibt, dass wir zuhause bleiben sollen. Habe ich mich einfach daran gewöhnt? Finde ich das etwa gut? Ich weiß es nicht. Ich werde wohl wieder anfangen müssen, zu unterrichten, um das herauszufinden. Aber vielleicht geht es dir ja ähnlich wie mir. Dann erzähl’s mir doch hier.

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