CrossFit®: Und bitte das Ego am Eingang abgeben …!

CrossFit® wird immer beliebter und ist fast schon zu einer richtigen “Trendsportart” geworden. Offenbar kann CrossFit® irgendwie alles. Es geht darum Ausdauer, Durchhaltevermögen, Kraft, Flexibilität, Schnellkraft, Schnelligkeit, Koordination, Präzision, Agilität und Balance zu verbessern – und dabei auch noch eine Menge Spaß zu haben. Vermutlich ist das auch das große Erfolgsrezept hinter CrossFit®. Eine der Pionierinnen in Deutschland ist Elli Hachmann. Die gelernte Physiotherapeutin ist Gründerin und Inhaberin der ersten und größten CrossFit-Box Hamburgs. Im Interview erzählt sie, wie sie zu dieser Sportart gekommen ist, warum Crossfit® sie so begeistert, und sie verrät eine leicht nachzumachende aber sehr effektive Übung. Für alle Hamburger, die mehr davon wollen: Probiert es doch einfach mal aus und besucht die CrossFit-Box HH.

Wann und wie bist du zum CrossFit gekommen?

Ich war 2009 in San Diego und bin mehr oder weniger zufällig in eine CrossFit-Box gestolpert.
 Damals bin ich täglich mit dem Rennrad 30 Kilometer zu meiner Arbeitsstelle gefahren und auf dem Heimweg noch stundenlang ins Fitness-Studio und zum Yoga gegangen. 
Ehrlich gesagt, hielt ich mich für ziemlich fit. Mein erstes CrossFit®-Workout (“Cindy”: in 20 Minuten so viele Runden wie möglich mit 5 Klimmzügen, 10 Liegestützen, 15 Kniebeugen) hat mich definitiv eines anderen belehrt. Ich dachte mir: “20 Minuten? Das ist ja wohl ein Scherz!”
Am Ende der 20 Minuten hatte ich gerade Mal sieben Runden geschafft und konnte mich minutenlang nicht vom Boden bewegen. Mir ging es so schlecht wie noch nie, mein Ego war zertrümmert. Und genau das hat mich angefixt.

Was ist CrossFit® eigentlich? Kannst Du das mal etwas genauer beschreiben?

CrossFit® ist ein ganzheitliches Fitnesstraining bestehend aus Gewichtheben, Ausdauersport, Turnen und Functional Training. Das Konzept ist darauf ausgerichtet, den Körper in Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination möglichst gleichmäßig zu trainieren, um den Körper auf alle möglichen Herausforderungen (auch im täglichen Leben) vorzubereiten. Dadurch, dass das Training so intensiv ist und deshalb starke Nerven erfordert, werden wir nicht nur körperlich sondern auch mental fitter und widerstandsfähiger. Das macht CrossFit® auch so besonders, denn es verändert einen nicht nur physisch sondern auch psychisch auf eine sehr positive Art und Weise.

Für wen ist CrossFit® geeignet?

Im Prinzip für jeden, der Lust hat, an die eigenen Grenzen zu gehen, der gerne mit anderen Menschen trainiert und mal etwas neues ausprobieren möchte. CrossFit® ist in jeder Hinsicht skalierbar, es gibt sogar Menschen im Rollstuhl, die CrossFit® machen. Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche körperlichen Vorraussetzungen und Fitnesslevel. Das Workout kann deshalb bei jedem anders aussehen. Die große Gemeinsamkeit die alle haben, ist die empfundene Intensität – die ist bei allen gleich, weil das Ziel ist, an die eigene persönliche Grenze zu gehen.

Viele sagen, beim CrossFit® sehen sie die Veränderungen am Körper sehr schnell. Was passiert da?

Dadurch, dass die Einheiten beim CrossFit® sehr intensiv sind, ist die Anpassung am Körper auch entsprechend schneller und stärker. Das, was man sonst in einer Stunde im Fitnessstudio macht, machen wir in 10 Minuten.

Was empfiehlst du denjenigen, die neugierig darauf sind, aber sich bis jetzt noch nicht in eine „Box“ getraut haben?

Beim CrossFit® geht es nicht ums Können sondern ums Machen. Vor allem aber geht es um den Spaßfaktor! Viele scheuen sich davor, weil sie Angst haben nicht fit genug dafür zu sein. Das ist totaler Quatsch und als ob man sagen würde, “Ich mache kein Yoga, weil ich zu unbeweglich bin”. Der Weg ist das Ziel! Jeder kann CrossFit® machen, denn alle Workouts sind skalierbar auf das jeweilige Fitnessniveau. 
Ich habe wirklich noch nie jemanden kennengelernt, der mit CrossFit® angefangen und sich dadurch nicht verbessert hat. Es ist hart, aber effektiv und deshalb die Sache wert! Man muss es selbst erlebt haben.

Gerade bei schweren Gewichten können Anfänger viel falsch machen und dem Körper damit mehr schaden als nutzen.

Wir sagen “Leave your Ego at the Door”, was bedeutet, dass man am Anfang nicht zu viel machen sollte um sich nicht zu überlasten oder gar zu verletzen. Viele Menschen kommen in ein CrossFit® Gym und machen am Anfang zu viel, weil sie sich nicht blamieren wollen. Aber man sollte langsam mit CrossFit® anfangen, selbst wenn man schon Erfahrung mit dem Fitnessstudio oder mit Functional Training hat. Gerade bei den Techniken im Gewichtheben kann man viel falsch machen und sollte erst mal kleine Brötchen backen und weniger Gewicht nehmen.

Wie bereitet ihr die Anfänger darauf vor, dies zu vermeiden?

Zunächst machen wir ein Check-up im ersten Probetraining, dabei stellen wir das individuelle Fitnesslevel fest und fragen nach orthopädischen oder internistischen Einschränkungen. Wir haben spezielle Einsteigerkurse, die für alle Pflicht sind, bis alle Techniken perfekt sitzen. Am Anfang wird nur mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet oder mit einer PVC-Stange.

Wie erkennt man einen guten Coach?

Sowohl das Probetraining als auch die Einsteigerkurse werden bei uns von einer Physiotherapeutin geleitet. Sie kennt die Einsteiger von Anbeginn und notiert sich deren Stärken, Schwächen, die allgemeine Entwicklung und entscheidet dann ab wann der-oder diejenige in den regulären CrossFit®-Kurs kann. So können wir sicher stellen, dass jeder fachmännisch betreut ist.

Was denkst Du, wie viele Kalorien kann ein durchschnittlicher CrossFit®-Anfänger am Anfang in einer Einheit verbrauchen?

Ohne das je gemessen zu haben, würde ich auf 250-400 kcal tippen. Das ist natürlich abhängig von Geschlecht, Alter, Gewicht und Trainingszustand. Fakt ist allerdings, dass CrossFit aufgrund der Intensität und dem Training mit dem gesamten Körper mehr Kalorien verbraucht als die meisten anderen Fitness-Sportarten.

Wie sieht dein Trainingspensum aus?

Ich trainiere an sechs Tagen die Woche. Morgens absolviere ich drei Mal in der Woche eine Krafteinheit (Gewichtheben) und abends oder am Wochenende mache ich insgesamt an fünf Tagen CrossFit®. Yoga mache ich zwei Mal die Woche eine Stunde und ein paar Übungen vor bzw. nach dem Kraft- oder CrossFit®-Training als Vorbereitung oder Cool Down.

Kannst Du etwas über Deine Ernährung erzählen?

Bei mir gibt es ausschließlich Biogemüse, Obst, Fisch, Fleisch und gesunde Fette (Avocado, Kokosöl, Nüsse, etc). Selten esse ich Milchprodukte oder Nudeln, Kartoffeln (ausser Süßkartoffeln), Reis, weil ich gemerkt habe, dass ich die zusätzlichen Kohlenhydrate nicht brauche und mich ohne sogar besser und ausgeglichener fühle, weil mein Blutzuckerspiegel in der Balance bleibt. Auch meine Leistung beim CrossFit® hat sich dadurch verbessert was für mich mit am ausschlaggebendsten ist. An Tagen an denen ich sehr hart trainiere, esse ich etwas mehr Kohlenhydrate (Trockenfrüchte, Nüsse, Obst). Ansonsten ist mein Speiseplan eher eiweißhaltig. Ernährung ist aber abhängig vom jeweiligen Stoffwechseltyp und etwas ganz persönliches. Einige Menschen brauchen einfach Brot, um glücklich zu sein und darum geht es bei der Ernährung. Gesundheit und Genuss sollten sich in meinen Augen die Waage halten. Ich esse zum Beispiel sehr gern so, wie ich esse. Für mich ist das keine Diät sondern ein Lifestyle der mich fit hält und glücklich macht.

Hast Du eine leicht nachzumachende aber effektive Übung für uns alle?

Eine Markenübung aus dem CrossFit® ist der sogenannte “Burpee” (= Liegestütz-Strecksprung) und kann überall und von jedem, der zwei gesunde Arme und Beine (und Rücken) hat, ausgeübt werden. Die Fotoserie zeigt, wie es geht.

 

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