“Ich vertreibe den inneren Schweinehund”

Es lohnt sich immer, in seine Gesundheit zu investieren. Manchmal kann das auch die Investition in einen Personal Trainer sein. Der Personal Trainer ist so eine Art Jäger des inneren Schweinehunds. Er hilft, diesen zu bezwingen und meistens ist ja genau der das Problem. Denn der innere Schweinehund lässt uns bequem werden, er findet immer wieder Ausreden und sorgt so wunderbar und regelmässig dafür, dass wir unsere Ziele nicht erreichen. Marcus Kalz ist  Personal Trainer in Köln. Zu seinen Kunden zählen beispielsweise die passionierten Marathonläufer und bekannten RTL-Gesichter Peter Kloeppel und Ulrike von der Groeben. Marcus Kalz erzählt, warum er besser ist als eine mobile Applikation, wie wir es schaffen, unseren Körper zu verändern und weshalb er beim Essen auch schon mal sündigen darf.

Es kommen immer mehr mobile Applikationen auf den Markt, die angeblich als Personal Trainer fungieren sollen. Ich frage jetzt mal überspitzt: Stirbt der Beruf des Personal Trainers aus?
Nein, dass denke ich nicht. Der persönliche Kontakt ist immens wichtig. Das merke ich jeden Tag. Kunden die schon seit Jahren bei mir trainieren, wissen eigentlich was sie machen müssen, um erfolgreich im Sport zu sein. Wenn ich aber nicht um 05:00 Uhr morgens an der Haustür klingel, wird der Sport auch gerne mal ausgelassen. Ich vertreibe sozusagen den Schweinehund, der die Menschen blockiert. Ausserdem gilt es gerade in der Anfangszeit genau auf korrekte Ausführungen der Übungen zu achten. Das kann eine App nicht leisten. Ich persönlich finde aber, dass die mobilen Applikationen ein schönes Gimmick darstellen, um den Sport etwas angenehmer zu gestalten.

Wenn es um Personal Training geht, schreckt viele erst einmal der Preis ab. Wie machst Du den Leuten klar, dass sich das Geld lohnt?
Das muss ich in 90 Prozent der Fällen gar nicht. Generell ist es so, dass die Menschen, die sich dafür entscheiden mit einem Personal Trainer zu arbeiten, schon über den Preis Bescheid wissen. Sie müssen nun abwägen, ob ihnen dieses Investment in ihre Gesundheit das Geld wert ist. Wer mich anruft, ist im Inneren schon bereit, den Preis zu zahlen. Jetzt liegt es an mir, den potenziellen Kunden im kostenlosen Probetermin zu überzeugen.

Du rechnest nicht pro Stunde ab, sondern pro Einheit. Was bedeutet das genau?
Auf dem Markt der Personal Trainer gibt es viele unterschiedliche Modelle. Unser Preismodell sieht folgender Maßen aus: Es ist egal wie lange eine Trainingseinheit dauert, der Preis bleibt der Gleiche. Jedoch dauert jeder Termin mindestens 60 Minuten. Anfahrtskosten und Trainingsplanerstellung sind inklusive. Die Mehrwertsteuer nicht. Ich persönlich lehne Preismodelle ab, die sich unproportional nach der Minutenzahl erhöhen. Eine Art Handytarif finde ich beim Personal Training völlig unangebracht.

Wie setzt sich der Großteil Deiner Kunden zusammen? Ehemalige Leistungssportler? Ambitionierte Marathonläufer? Oder totale Sportanfänger?
Der Großteil meiner Kunden besteht aus Menschen, die etwas für sich und ihre Gesundheit tun möchten. Sie haben gemerkt, dass ihre Kräfte schwinden, dass Sie müde sind oder vermindert leistungsfähig. Nachdem wir eine gewisse Grundfitness erreicht haben, werden zumeist wettkampforientierte Ziele ausgegeben wie zum Beispiel einen Marathon oder 10-Kilometer-Läufe. Mit totalen Sportanfängern und ehemaligen Leistungssportlern trainiere ich eher selten. Das heißt aber nicht, dass diese nicht willkommen sind. Es ist einfach nur nicht die Regel, dass sich ein totaler Anfänger gleich in die Hände eines Personal Trainers begibt und ein ehemaliger Leistungssportler weiß ja selbst, was am besten zu tun ist.

Viele Hobbysportler machen den folgenden Fehler: Sie rennen seit Jahren ins Fitness-Studio – der Körper bleibt unverändert. Warum?
Ein Klassiker! Ich mache dann immer einen Vergleich zu einem Maler deutlich. Wenn ich heute mein Haus komplett streichen würde, hätte ich wahrscheinlich drei Tage Muskelkater – eine Reaktion auf meine Muskelarbeit. Der Maler jedoch macht das schon seit 30 Jahren, sieht aber nicht aus wie ein Bodybuilder… Sein Körper und seine Muskulatur haben sich auf die “Strapazen” eingestellt, wie der Körper der Menschen, die im Studio immer dasselbe machen. Der klassische Fehler sind fehlende, neue Reize auf die der Körper mit Anpassungserscheinungen reagiert. Diese Reize können sein: Umfang und Intensität erhöhen, neue Übungen ins Trainingsprogramm einfügen oder auch die Ernährung umstellen.

In Deinem Team arbeiten auch zwei Frauen. Was machen die anders oder sogar besser als die männlichen Kollegen?
Männer und Frauen sind nicht gleich, aber gleichwertig. Dennoch verstehen es Frauen oft besser auf Menschen einzugehen und gerade im Training mit anderen Frauen zu überzeugen. Außerdem unterscheiden sich oft die Ausbildungsmerkmale. So habe ich in meinem Team eine integrative Lauftherapeutin und eine Spezialistin für pre- und postnatales Training.

Wie motivierst Du jemanden, der eigentlich Sport machen will aber den inneren Schweinehund einfach nicht überwinden kann oder immer wieder in alte Muster zurückfällt?
Übertriebene Härte und Druck lehne ich ab. Schon im ersten Gespräch wird dem Kunden vermittelt, dass wir zusammen eine Verantwortung für sein Ziel tragen. Ich bin abhängig vom Kunden und seinem Verhalten in der Trainingsphase. Sollte der Athlet seine Ziele nicht intensiv genug verfolgen und sich seiner Verantwortung gegenüber sich selber und seinem Körper nicht bewusst sein, trenne ich mich sofort. Motivationsprobleme gibt es aber natürlich bei jedem von uns mal. Dann sind wir ja auch dazu da, diesen inneren Schweinhund zu bekämpfen.

Was ist Dein liebstes Workout oder eine spezielle Übung, die Du immer dann machst, wenn Du selbst gerade wenig Zeit für Training hast?
Klimmzüge, Dips und Bankdrücken, jeweils vier Sätze hintereinander ohne Pause.

Ich gehe davon aus, Du hast Dir mit Deinem Beruf einen Traum erfüllt. Haben Dich die Leute in Deinem Umfeld schon immer nach Trainingstipps gefragt oder wieso hast Du Dich gewagt, Dich selbständig zu machen?
Ich mache tatsächlich meinen absoluten Traumjob – ja! Ich bin sehr sehr sehr fleissig, aber ich habe auch viel Glück gehabt. Viele Leute haben mich auf meinen 15 Jahre andauernden Weg in die Selbstständigkeit begleitet, die mir sehr geholfen haben. Seit 15 Jahren geht es bergauf und ein Ende ist glücklicherweise noch nicht in Sicht. Aufgrund meiner heutigen Erfahrungen würde ich jedoch jedem abraten, diesen Beruf auszuüben, so wie ich es mache. Selbst wenn man extrem fleissig ist, kommt der Erfolg nicht zwangsläufig.

Was ist Deine persönliche Ernährungssünde?
Eine Ernährungssünde existiert für mich eigentlich nicht, da ich am Tag bis zu 6000 Kalorien zu mir nehmen muss. Ich mache zwischen sechs bis acht Stunden aktiven Sport. Das bedeutet, ich verbrauche unheimlich viele Kalorien und die muss ich zu mir nehmen. Darum fällt es überhaupt nicht ins Gewicht, wenn ich ein Stück Kuchen esse. Natürlich muss ich aber auch, gerade weil ich so viele Kalorien verbrauche, darauf achten, dass ich mich nährstoffreich und ausgewogen ernähre, um Leistung bringen zu können. Aber es ist für meinen Körper kein Drama, wenn ich mal sündige. Ich muss sagen, wenn Chips auf dem Tisch stehen und Cola, kann ich nicht wirklich nein sagen ☺

Was ist Dein Tipp für diejenigen, die auf der Suche nach dem richtigen Sport für sie sind?
Alles ausprobieren, was in der Umgebung angeboten wird. Probieren geht über studieren!

 

 

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1 Comment On This Topic
  1. Dieter Asbach
    on Feb 12th at 5:06 pm

    …hab selbst vor vielen Jahren an der DSHS mein erstes Studium absolviert.
    Trotz guter innerer Motivation wäre es mir nicht möglich, ein solch intensives
    Training alleine zu absolvieren. Mit Marcus erreiche ich dann nicht nur 50-60%
    meiner Möglichkeiten sondern evtl. sogar 80-90%. Es macht Spaß, wir lachen
    viel und sind wahnsinnig effektiv. Ich möchte das App sehen, das Freude und
    optimale Leistung bringt…..
    Danke an den Schweinehund-Bezwinger


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