Lift heavy things!

Lift heavy things!

Es riecht nach Magnesiumstaub und Stahl. Es gibt keine Fenster, nur grelles Neonröhrenlicht. Wenn die Hantelscheiben auf den Boden stürzen, kracht es laut. Die ersten Male zucke ich zusammen. Die Jungs und Mädchen tragen T-Shirts mit der Aufschrift „Let’s lift heavy things“. Und das tun sie auch.

Ich bin bei den Gewichthebern gelandet. Um zu lernen, was Krafttraining eigentlich heisst. Zwei Mal in der Woche wage ich mich jetzt in diesen Keller und ich freue mich jedes Mal darauf.

Es gibt diesen Mythos, dass Frauen mit leichten Gewichten und vielen Wiederholungen trainieren sollen. Und er ist leider schlichtweg falsch. Warum er sich dennoch hartnäckig in den Köpfen vieler Freizeitsportlerinnen hält, ist mir ein Rätsel. Vielleicht, weil es einfach eine angenehmere Art zu trainieren ist. Nur bringt sie leider nichts. Jede/r kann das selbst nachprüfen. Wer drei Mal die Woche im Fitnessstudio an den Geräten mit leichten Gewichten hantiert und dabei noch Geschichten erzählen oder lachen kann, unendliche viele Wiederholungen abspult, der wird an seinem Körper kaum grossartige Veränderungen feststellen. Den horrenden Mitgliedsbeitrag im Fitnesscenter kann man sich also genauso gut sparen. Schwere Gewichte, höchstens zehn Wiederholungen ist das Rezept. Unsere Muskeln müssen sich richtig anstrengend, damit sie, in der anschliessenden Pause, wachsen können. Wenn sie nicht mit höheren Belastungen geplagt werden, als sie es ohnehin gewohnt sind, wird da auch nicht mehr Muskelmasse entstehen.

Viele Frauen haben natürlich Angst davor, zu viel Muskelmasse aufzubauen, aber auch das ist ein Mythos. Die meisten denken, wer Krafttraining macht, dessen Körper wird übersät mit Muskelbergen. Aber keine Sorge, keine von uns wird gleich aussehen wie Arnold Schwarzenegger. Aber klar ist, wer Muskeln aufbauen will, muss sie fordern. Das richtige Krafttraining sieht – für Männer übrigens genau gleich wie für Frauen – so aus: zwischen 8 bis 12 Wiederholungen in 2 bis 4 Sätzen und jeweils höchstens zwischen 30 und 60 Sekunden Pause dazwischen. Zu Beginn allerdings gibt der Trainer mir den Rat, die Pausen am Anfang ruhig länger zu gestalten. „Otherwise it will kill you“, sagt er. Das wollen wir vermeiden. Ich soll es also beim ersten Mal ruhiger angehen lassen. Das Gewicht muss allerdings so gewählt sein, dass man alle Wiederholungen sauber ausführen kann, aber die letzte gerade noch so schafft. Es muss also anstrengend sein.

Wer sich dafür interessiert, zu lernen, wie Krafttraining wirklich geht, sollte entweder mal in seinem Fitnessstudio nachfragen, ob es jemanden gibt, der erklären kann, wie es läuft – und die Bewegungsabläufe am Anfang auf jeden Fall auch überwacht – oder es mal so machen wie ich, und sich einfach in die Höhle der Gewichtheber-Löwen wagen. Oft sind solche Sportler ja auch mal ganz glücklich darüber, wenn sich „normale“ Menschen dafür interessieren, was sie eigentlich machen. Diese Erfahrung habe ich jedenfalls gemacht. Nett fragen, ob man mal was ausprobieren darf, was man dafür tun muss oder welche Möglichkeiten es für Anfänger gibt, kostet nichts. Und übrigens, Angst davor, dass man sich vielleicht blöd anstellt oder technisch nicht gerade die beste Figur abgibt, braucht man nicht zu haben. Alle, die hier trainieren, waren einmal Anfänger.

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