Oldie, der immer geht: Auf die Plätze, fertig, los-lassen!

Oldie, der immer geht: Auf die Plätze, fertig, los-lassen!

Diesen Text habe ich Ende 2014 geschrieben, “zwischen den Jahren”, wie es so schön heisst.  Ich habe ihn jetzt noch mal hervorgekramt, weil ich im Rückblick sagen muss: Wahnsinn, dieses 2015. Ich erinnere mich an einen tollen Jahresanfang mit guten Freunden aus Europa, die uns in Kalifornien besucht hatten. Zwei Monate später kam mein Schwager mit seiner Familie, dann meine beiden Brüder. Wir haben richtig Zeit füreinander gehabt. Waren morgens zusammen am Strand joggen, haben zehn Tage lang Santa Barbara und Los Angeles unsicher gemacht, verrückte Yogafiguren in Venice Beach gemacht und drei Wochen später wusste ich, dass ich meine Brüder zu Onkeln machen würde. Es folgte eine Schwangerschaft, die ich, na ja, wie soll ich es sagen, bestimmt nicht als “the time of my life” bezeichnen würde. Aber eine ganz besondere Erfahrung, die uns am Ende eine wunderbare Tochter beschert hat. 2015 sind wir ausserdem von Kalifornien zurück nach Kopenhagen gezogen, sind im Sommer vier Wochen durch Europa gereist, ein heisser Sommer, wir haben Hamburg so sehr genossen, Menschen im Sommer auf den Strassen zu sehen, das war nach den USA plötzlich wieder eine ganz neue Erfahrung. Kopenhagen hat mir die Rückkehr dann so was von leicht gemacht, ein sonniger, milder Herbst, ein schöner Winter, der nur grau und bitterkalt war als meine Tochter zur Welt kam und wir uns ohnehin zuhause verkrochen hatten. Ja. Echt. Ich hatte null Erwartungen an dieses 2015 und dann wurde es so … wild. Schön. Und 2016? Das Jahr hat mich viel zum Nachdenken gebracht. Über Yoga. Und das Leben. Für das man so dankbar sein muss, wenn man es hat. Ich bin gespannt, was 2017 bringt. Aber hier ist nun der alte Text, ein Oldie, der jedes Silvester passt: 

Wir haben gekocht und geschlemmt, gebacken und über die Stränge geschlagen, zusammengesessen und das Nichtstun genossen, Sport gemacht und geschlafen, Gemütlichkeit und Geselligkeit gelebt. Es waren schöne Weihnachten. Die Zeit zwischen den Jahren ist auch deswegen so schön, weil man sich plötzlich Zeit NIMMT und kein schlechtes Gewissen hat, wenn man nicht auf Vollgas getrimmt ist. Zumindest ging es mir so. Und während ich versucht habe, darauf Acht zu geben, dass alle um mich herum froh sind, habe ich es trotzdem geschafft, auch meine eigenen Bedürfnisse nicht in den Hintergrund zu stellen. Zudem habe ich mal etwas gemacht, worüber beim Yoga so viel gesprochen wird, was aber in der Umsetzung gar nicht so einfach ist: Loslassen. Das alte Jahr lass ich mal los. Macht jemand mit? Aber auch sonst habe ich losgelassen. Erwartungen beispielsweise, denn bei aller Freude auf das nächste Jahr ist mir natürlich bewusst, dass auch so ein neues Jahr alleine keine Wunder vollbringen kann. Nehmt mal den Druck von dem neuen Jahr. Das arme Ding! Für all die Wunder und die grossen Ereignisse sind wir schon selbst verantwortlich. Vorsätze? Habe ich losgelassen. Ich habe schlicht und einfach keine für das nächste Jahr. Doch Moment mal! Vielleicht ist “Loslassen” ja mein Vorsatz für 2015? Zählt das nun als Vorsatz oder nicht? Loslassen will ich zum Beispiel Ängste und Ärger. Nicht mehr darüber nachdenken, was einen schwächt oder hemmt, sondern sich darauf konzentrieren, was einen stark macht und glücklich. Nicht mehr darüber nachdenken, dass man gerade vielleicht am falschen Ort ist, sondern sich bewusst darüber sein, dass man genau da ist, wo man sein soll, damit man dahin kommt, wo man hin möchte. Und loslassen von der Vorstellung, so sein zu müssen, wie alle anderen es von einem erwarten, sondern Mut haben, anders zu sein. Loslassen, zu denken, man müsse alles schon wissen, sondern Geduld haben, Schritt für Schritt mehr zu erfahren. Loslassen, zu denken, man hätte heute mehr machen müssen als man schon getan hat. Und zuletzt noch etwas, das ich kürzlich gelesen habe und das mir gefällt: Loslassen, zu denken, es gäbe einen richtigen oder falschen Weg Dinge zu tun oder die Welt zu sehen, sondern Kontraste zu geniessen und die Vielfalt der Welt und die Reichheit des Lebens zu feiern. Und das bedeutet nichts anderes, als andere Meinungen zu akzeptieren.

Loslassen, das ist gar nicht so schlimm, wie es sich im ersten Moment anhört. Wie habe ich mal im Neon-Magazin gelesen: “Die Dinge loszulassen bedeutet nicht, sie loszuwerden. Sie loslassen bedeutet, dass man sie sein lässt.” Ach, wie schön.

Und bevor es anfängt, so richtig Spass zu machen – Halt! Stopp! – man muss es ja auch mit dem Loslassen nicht übertreiben! Trotz allem „Seinlassen“ habe ich auch ein paar Ziele – das ist meiner Ansicht nach nicht gleichzusetzen mit „Vorsätzen“. Ziele sind nicht unbedingt auf dieses eine Jahr festgelegt, aber ich fange schon am 7. Januar mit einem Praktikum als Yogateacher mit der Umsetzung an. Praktikum? Meine Güte, wie lange ist es her, seit ich so etwas zum letzten Mal gemacht habe? Sehr lange. Ich freu’ mich drauf. Happy New Year!

 

 

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2 Comments On This Topic
  1. Juliane
    on Jan 5th at 11:53 am

    Was für schöne Worte Tine, du hast ja so Recht! Ich habe mir einiges vorgenommen und will das unbedingt durchziehen, aber eigentlich wäre “Loslassen” ein viel besserer Vorsatz (oder wie man es auch immer nennen mag).

    Viel Spaß bei deinem Praktikum :) Ich hoffe, du berichtest mal davon!

    Liebe Grüße, Juliane

  2. Sandra G.
    on Feb 19th at 8:07 pm

    Sehr schöner Text zu einem unterschätzten Thema!

    Dass loslassen befreiend wirken kann, zählt meiner Meinung nach nicht nur für den Geist, sondern auch für materielle Werte. Weniger ist oft mehr.
    Wie oft streben wir nach immer mehr Besitztümern, engen unseren Lebensraum Zuhause ein durch das Anhäufen von Dingen, obwohl wir viele davon gar nicht brauchen. Mehr Besitz macht aber nicht automatisch mehr-glücklich.

    Danke, Tine, dass du die Gedanken mit uns teilst!


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