“Gemeinsame Sporteinheiten können wir nur empfehlen!”

“Gemeinsame Sporteinheiten können wir nur empfehlen!”

Sport mit dem Partner – geht das? Gibt es da nicht immer Streit? Weil “er” sowieso viel schneller, stärker, besser ist? Nee. Klappt! Und macht auch unheimlich viel Spaß, weil man dem gleichen Hobby nachgehen, Zeit miteinander verbringen und sich gegenseitig motivieren kann. Dass gemeinsames Training klappt, egal wie unterschiedlich das Leistungsniveau ist, beweisen Christian Reif, einst Deutschlands bester Weitspringer (seine Bestleistung liegt bei 8,49 Metern) und seine Freundin Steffi Groh, deren Ziel es zur Zeit ist, sich für die Deutschen Meisterschaften über 400 Meter Hürden zu qualifizieren. Christian Reif hat seine Karriere als Profisportler im vergangenen Jahr beendet. Er konzentriert sich nun auf seine zweite Karriere, das Leben nach dem Sport. Training ist ihm trotzdem unheimlich wichtig. Im Interview erzählen er und seine Partnerin, warum sie gemeinsam Sport machen und warum das auch trotz unterschiedlicher Ambitionen und Möglichkeiten fabelhaft funktioniert.

Es ist Sonntag. Heute schon trainiert?

Beide: Na klar, den freien Tag müssen wir schon nutzen und das Training ist der perfekte Ausgleich zum Job.

Und was stand auf dem Programm?
Christian: Krafttraining, was sonst :-P Laufen und Springen habe ich ja schon lange genug gemacht. Jetzt sind die Arme dran, die kamen bisher zu kurz.
Steffi: Nach zwei Wochen Urlaub musste ich mich langsam mal wieder an Laufbelastungen gewöhnen, daher habe ich ein paar Runden gedreht und später noch ein wenig im Kraftraum meine Beine trainiert.

Christian, wie viele Stunden Sport machst Du jetzt in einer Woche?
Christian: Wenn es klappt versuche ich zweimal die Woche zum Training zu gehen, dann trainiere ich zwischen zwei und drei Stunden pro Einheit.

Die Jagd nach Bestleistungen, der Druck bei Wettkämpfen auf den Punkt fit zu sein, der Trainer, die Konkurrenz, ist alles weg. Ein gutes oder ein seltsames Gefühl beim Sport treiben?
Christian: Ganz ehrlich, ich gehe jetzt sogar lieber zum Sport. Früher habe ich Schmerzen oder Probleme im Training direkt als Bedrohung für meine zukünftigen Wettkampfergebnisse gesehen. Wenn es heute irgendwo zwickt, mache ich einfach eine andere Übung oder gönne mir ein paar Tage Pause.

Warum machst Du noch Sport? Was ist Deine größte Motivation?
Christian: Hauptsächlich mache ich es, um einen Ausgleich zur täglichen Arbeit zu haben, der mir Spaß macht und bei dem ich die Menschen treffe, mit denen ich in den letzten Jahren einen Großteil an Zeit verbracht habe.

Steffi, wie ist es mit jemandem zu trainieren, der mal Profi war? Kommt man sich da zuweilen nicht manchmal seltsam vor, oder sogar “schwach”?
Steffi: Nein, seltsam oder schwach würde ich nicht sagen. Für mich ist es eher eine zusätzliche Motivation und ich profitiere natürlich auch von den Tipps, die Christian mir gibt.

Wie oft trainierst Du? Und was machst Du am liebsten?
Steffi: Ich trainiere vier Mal die Woche. Am liebsten trainiere ich Kraft und Technikeinheiten beim Hürdenlauf.

Wie sieht eine typische Sportwoche bei Euch aus?
Christian: Bei mir ist es abhängig von der Zeit. Sonntags trainiere ich immer, ansonsten muss ich schauen, an welchem Tag in der Woche ich frei habe.
Steffi: Dienstags und Donnerstags trainiere ich zusammen mit meiner Trainingsgruppe, mittwochs trainiere ich alleine und sonntags zusammen mit Christian in Saarbrücken.

Schon mal im Kraftraum Streit bekommen?
Steffi: Nein, auch sonst streiten wir eher selten.

Würdet Ihr es anderen Paaren empfehlen, gemeinsam Sport zu machen und wenn ja, warum? Ich glaube ja, dass viele Frauen denken, dass sie lieber nicht mit dem Partner Sport machen wollen, weil er besser, stärker ist etc.
Christian: Ja, da wir uns generell nicht so häufig sehen können, wie wir gerne würden, können wir gemeinsame Sporteinheiten nur empfehlen. Wir gehen somit dem gleichen Hobby nach und verbringen die Zeit miteinander.

Wie können Paare miteinander trainieren, wenn eine gewisse Leistungsdifferenz besteht? Ein paar Ideen?
Christian: Man sollte vielleicht nicht unbedingt die gleichen Übungen ausführen und schon gar nicht mit denselben Gewichten ;-) Ansonsten kann man sich ja einen Tag aussuchen, an dem man auch komplett zusammen trainiert und der „Stärkere“ sich an das Niveau des „Schwächeren“ anpasst und diese Einheit eher als Regenerations-Einheit sieht. Bei Laufeinheiten wäre das vielleicht sinnvoll, wenn eine größere Leistungsdifferenz besteht.

Was ist Eure Lieblingsübung?
Christian: Bankdrücken!
Steffi: Kniebeugen!

Wer ist eigentlich der bessere Motivator?
Steffi: Das kommt bei uns ganz auf die Tagesform an. Es kommt schon mal vor, dass ich Christian von einer Trainingseinheit überzeugen muss. Im Training selbst ist er aber schon der, der es schafft mich auch für die letzten Läufe zu motivieren, auch wenn ich schon völlig k.o. bin. Christian: Da kann ich nur zustimmen, manchmal würde ich wirklich lieber auf der Couch liegen, gerade wenn die Woche hart war. Steffi kann mich dann aber doch meist überzeugen, dass zwei Stunden Training genau das Richtige wären, um mal auf andere Gedanken zu kommen.

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